Dorfbackofen-Sanierung am Wellinger Kirchle

Backhaus Wellingen – wenn ein Backhaus ein ganzes Dorf verbindet

In Notzingen-Wellingen (Baden-Württemberg), direkt beim Wellinger Kirchle, durfte ich den Dorfbackofen im Backhaus sanieren.
Genau solche Projekte liebe ich: Da geht es nicht nur um Schamottsteine, sondern um Dorfgemeinschaft, Tradition und Miteinander.


Ein Ort mit Geschichte – und großem Herz

Am Platz des heutigen Kirchles stand vermutlich schon im Mittelalter die Sankt-Georgs-Kapelle.
Der Turm mit Glocke hat die Jahrhunderte überstanden und wurde 1925 von Handwerkern vor Ort erneuert.

Aus einer Bürgerinitiative entstand später der
Förderkreis Wellinger Kirchle e. V., der sich um:

  • Dorfmuseum,
  • Denkmalschutz,
  • Dorfverschönerung
  • und Brauchtum

kümmert. Dazu gehört heute ganz wesentlich das Backhaus mit seinem Dorfbackofen – Treffpunkt bei Backaktionen und natürlich beim berühmten Dätscherfest.


Wie ich nach Wellingen kam – mit Umweg über ein Konzert

Kennengelernt haben wir uns über einen Tipp von Peter Häfner, der meine Arbeit kannte und dem Vorsitzenden Alexander Schur den Link zu meiner Webseite geschickt hat.

Mein erster Besuch in Wellingen war dann eine besondere Kombination:
Auf dem Weg mit meiner 13-jährigen Tochter zum Tokio-Hotel-Konzert in Stuttgart haben wir einen Stopp im Backhaus eingelegt.
Mit dabei: Bürgermeister Sven Haumacher und Alexander Schur. Gemeinsam haben wir uns den müde gewordenen Ofen angesehen und besprochen, wie wir ihn wieder fit bekommen – im Einklang mit Denkmalamt und Bezirksschornsteinfeger.


Mein Sanierungskonzept – neues Innenleben, alte Seele

Nach dem Vor-Ort-Termin habe ich folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Abbau des kompletten Innenlebens über eine seitliche Öffnung – in Eigenleistung durch den Förderkreis.
  • Dämmung unter dem Ofenboden, damit die Wärme besser im Backraum bleibt.
  • Neuer Ofenkern komplett aus Schamotte:
  • Herdboden, Seitenwände, Gewölbe, Rauchgaszüge.
  • Metall-Gewölbeverspannung für langfristige Stabilität.
  • Dämmung von Seiten und Decke des Ofenkerns.
  • Und das Wichtigste:
    Die historische Ofenfront mit Tür, Lichtschacht, Thermometern, Rauchgasschiebern und Keramikkacheln bleibt vollständig erhalten.

So bleibt der Charakter des alten Dorfbackofens bestehen –
innen arbeitet aber jetzt ein moderner, leistungsfähiger Ofenkern.


Wenn ein Dorf anpackt – und der Ofen wieder zum Leben erwacht

Die eigentliche Sanierung habe ich im November 2025 durchgeführt.
Ich war insgesamt 10 Tage vor Ort im Einsatz.

Den Rückbau des alten Innenlebens haben die Mitglieder des Förderkreises Wellinger Kirchle e. V. selbst übernommen:
Über mehrere Tage wurden in Handarbeit Tonnen von altem Material aus dem Ofen geholt.

Dann kam meine Lieblingsarbeit:

  • neuer Herdboden aus Schamott im sauber nivellierten Quarzsandbett,
  • Aufbau von Seitenwänden, Gewölbe und Rauchgaszügen,
  • Verspannung und Dämmung,
  • laufende Abstimmung mit dem Bezirksschornsteinfeger.

Nach Abschluss der Mauerarbeiten haben die Betreiber den Ofen in eigener Regie sorgfältig trockengeheizt – Schritt für Schritt, mit Geduld und Gefühl, bis der neue Ofenkern bereit für den vollen Einsatz war.

So entstand ein leistungsstarker Dorfbackofen, der auch die Dauerbelastung beim Dätscherfest locker wegsteckt.


„Anbacken“ – der Moment, an dem der Ofen zeigt, was er kann

Zur offiziellen Inbetriebnahme bin ich mit meiner Tochter noch einmal nach Wellingen gefahren.
Das Ziel: rechtzeitig Apfelbrot und Dätscher für den Weihnachtsmarkt und andere Aktionen backen.

Im Backhaus standen:

  • Wellinger und Notzinger von jung bis alt,
  • Vereinsmitglieder,
  • viele neugierige Hobbybäcker.

Wir haben gemeinsam angeschaut:

  • wie man den Ofen raucharm anfeuert,
  • warum Scheitholz statt Krähla zum Einsatz kommt,
  • wie man sicher heizt (Stichwort Kohlenmonoxid und frische Luft),
  • und an welcher Stelle im Ofen man am besten Dätscher, Brot & Co. platziert.

Ein Blech Dätscher wurde beim ersten Versuch etwas dunkler – ich sage immer:
Das ist die kleine Opfergabe an den Ofengott.
Danach lief alles rund, und die Bleche waren schneller leer gegessen, als ich „BackofenMeister“ sagen konnte.


Warum mir solche Projekte so wichtig sind

Ich liebe es, mit meinen Öfen zum Zusammenhalt einer Dorfgemeinschaft beizutragen.

Ein Backhaus, ein Backes, ein Dorfbackofen – das ist für mich viel mehr als nur ein Ort, an dem Brot gebacken wird:

  • Es ist ein Platz für kulturellen Austausch – Geschichten, Rezepte, Erinnerungen.
  • Es ist Gemeinschaft – man arbeitet zusammen, lacht zusammen, isst zusammen.
  • Es ist ein Ort des Lernens – für Kinder, Erwachsene und manchmal auch für den Ofenbauer.
  • Und es nährt Geist, soziales Miteinander und natürlich den Magen.

Wenn ich einen Dorfbackofen saniere, baue ich immer auch ein Stück Dorfgemeinschaft und Zukunft mit.


Kurz gesagt: Ergebnis in Wellingen

  • historische Ofenfront und Ensemble erhalten,
  • Ofenkern neu und effizient aufgebaut (November 2025, 10 Tage Bauzeit),
  • besser gerüstet für Dätscherfest & Vereinsaktionen,
  • alles in enger Abstimmung mit Denkmalpflege und Schornsteinfeger,
  • der Ofen wurde von den Betreibern selbst sorgfältig trockengeheizt,
  • und ein Dorf, das seinen Backes wieder voller Stolz nutzen kann.

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